Wir leben in Zeiten großer Herausforderungen, die Politik und Gesellschaft viel abverlangen. Von der großen Unsicherheit profitieren zurzeit vor allem Kräfte, die unsere demokratische Ordnung in Frage stellen. Mit ihren vereinfachenden Formeln tragen sie zur Radikalisierung von Teilen der Gesellschaft bei.
Wie also können demokratische Antworten in diesen rasanten Zeiten aussehen? Als Seliger-Gemeinde wollen wir mittels eines gesonderten Webportals den deutsch-tschechischen Dialog zu Fragen des Populismus und des Rechtsradikalismus fördern.
Bei den hier präsentierten kommentierenden Texten soll es darum gehen, die Phänomene Populismus und Rechtsradikalismus aus unterschiedlichen Perspektiven und Gesichtspunkten kurz und prägnant abzuhandeln. Ergänzt wird dies durch historische Texte.
*Es geht um alles" – unter diesem Titel wurde in den tragischen Stunden des September 1938 ein Aufruf der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei an die Sudetendeutschen veröffentlicht, in dem vor der Politik der Nationalsozialisten gewarnt wurde und in dem für eine demokratische und friedliche Lösung geworben wurde.
Zur Durchführung unseres Projektes "Nie wieder" bedanken wir uns für die finanzielle Unterstützung bei:
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Der Aufruf „Es geht um alles“ aus dem September 1938 erinnert in erschreckender Weise an unsere heutige weltpolitische Lage. Damals stand Europa vor einer Zerreißprobe: Der Nationalsozialismus bedrohte die Demokratie, und mit dem Münchner Abkommen wurde der Weg für die Zerschlagung der Tschechoslowakei geebnet. Heute sind es andere Kräfte – autoritäre Tendenzen, Nationalismus und geopolitische Aggressionen –, die das demokratische Fundament Europas herausfordern. 1938 wurde die Mahnung von vielen zu spät ernst genommen.
In der langen Geschichte des Zusammenlebens von Tschechen, Juden und Deutschen in den Böhmischen Ländern hat es immer wieder nationalistische Kräfte gegeben, denen es nur darum ging, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Im November 1929 waren es deutsch-nationale Studenten, die gegen ihre politischen Widersacher und gegen jüdische Studenten hetzten und gegen diese Gewalt anwendeten.
Die Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker und die Sozialdemokratische Studentengruppe reagierten hierauf mit einem Aufruf zur Gewaltlosigkeit und zu einer besseren Ausstattung der deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakischen Republik.
jung-alt, türkisch-deutsch - wir verurteilen die Verhaftung von Ekrem İmamoğlu, dem gewählten Bürgermeister der Stadt Istanbul, kurz vor seiner erwarteten Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten seiner sozialdemokratischen Partei CHP als politisch motivierten Angriff auf die Demokratie in der Türkei. Wir fordern die türkische Regierung dazu auf: Ekrem İmamoğlu unverzüglich freizulassen, die demokratischen Prinzipien zu respektieren und die Rechte der Opposition zu wahren!
1933 war ein Schicksalsjahr der deutschen Geschichte. Die Nationalsozialisten übernahmen die Macht in Deutschland und errichteten ein Schreckensregime, das erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besiegt werden konnte.
Bereits in den ersten Tagen nach der Machtübernahme versuchten viele Gegner der Nazis aus Deutschland zu fliehen. Eines der Hauptzielländer war die Tschechoslowakei. Das Land war die letzte Demokratie in Ostmitteleuropa und im Land gab es eine deutsche Minderheit von ca. 3,5 Millionen Menschen. Flüchtlinge aus den Reihen der SPD konnten auf die Unterstützung der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei hoffen. Diese organisierte sofort ein großes Hilfswerk, von dem der folgende Originaltext aus der Zeitung Sozialdemokrat vom 21. April 1933 zeugt.
Christa Naaß, die Ko-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde, der Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokrat*innen, gratuliert der Friedrich-Ebert-Stiftung zum 100. Geburtstag und damit zu 100 Jahre Einsatz für Demokratie und dankt für deren wichtige Arbeit:
Es gilt – damals wie auch heute – das Vermächtnis Friedrich Eberts – des ersten deutschen Staatsoberhaupts der 1918 errungenen Demokratie, zu bewahren und fortzuentwickeln. Eure Stiftung, die nach Friedrich Ebert benannt wurde, ist die älteste der heutigen Stiftungen und sie hat über die Jahrzehnte durch ihre Arbeit auch Maßstäbe gesetzt für Freiheit, für Gleichheit, für Bildungsgerechtigkeit und vor allem für Demokratiebildung.